Berliner Fotografen: Daniel Drewsen

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Seit wann fotografierst du?

Seit 1994. Angefangen habe ich mit einer Zeiss Ikon Icarex 35, einem Modell aus den 1960er Jahren ohne eingebautem Belichtungsmesser. Durch die Verwendung eines externen Belichtungsmessers habe ich schnell ein Gefühl für die Blendenauswahl und Belichtungszeiten bekommen, auch wenn es immer Zeit gekostet hat. Auf Reisen war die Kamera immer dabei, später habe ich auf Konzerten fotografiert und Bands im Freundeskreis abgelichtet.

Hast du dein erstes Bild noch?

Mit Sicherheit, meine analogen Fotos habe ich alle aufbewahrt. Es sind auch noch einige hundert Diapositive dabei.

Was sind deine Lieblingsmotive, eher Menschen oder Architektur?

Finde ich beides spannend, besonders im Zusammenspiel, da ergeben sich oft tolle Bildkompositionen. Wobei ich mich da ungerne einschränke, wenn ich ein interessantes Motiv entdecke. Wenn ich fotografiere, lasse ich mich von der Umgebung inspirieren. In einer Stadt wie Berlin gibt es ja unendlich viele tolle Momente, die man einfangen kann. Beim letzten Fotoshooting für eine Band habe ich allerdings festgestellt, wie spannend Portraits sein können, wieviel Ausdruck in einem Gesicht stecken kann.

Lieber schwarz/weiß oder Farbe und warum?

Schwarz/weiß finde ich zeitloser, klarer. Kontraste stellen sich so stärker in den Mittelpunkt. Es gibt aber auch Aufnahmen, die nach Farbe verlangen. Im Grunde ist es eine Entscheidung, die bei jedem Foto neu getroffen werden möchte. Oft sind beide Varianten toll, wobei jede für sich genommen ein eigenständiges Foto ist.

Was hältst von Instagram?

Habe ich mal eine Zeitlang benutzt, als ich es interessant fand, Graffiti und Street Art zu fotografieren. Den Account habe ich schon vor längerer Zeit gelöscht, da mich Instagram genervt hat und ich sowieso aufgehört habe, Straßenkunst zu dokumentieren. Instagram gehört zum Zeitgeist, hat sicher seine Berechtigung, aber um sich Fotos anzuschauen, braucht man meiner Meinung nach größere Formate und Zeit.

Was sind deine Vorbilder, sofern du welche hast?

​Ich finde Edward Weston klasse, Wim Wenders Fotos in „Written in the West“ gefallen mir sehr gut, aber als Vorbilder würde ich sie nicht bezeichnen. Ist doch auch langweilig, jemandem nachzueifern. Die Filme von David Lynch fand ich teilweise ziemlich geil fotografiert. Einflüsse hat jeder, der kreativ tätig ist, mit großen Namen um sich zu werfen finde ich allerdings wenig kreativ. Viel spannender ist es, als Betrachter Einflüsse zu erkennen, wobei es oft schöner ist, sich völlig unvoreingenommen auf etwas einlassen zu können. Mensch muss nicht immer alles in Schubladen stecken.

Was ist dein Lieblingsblog oder Webseite zum Thema Fotografie?

Wenn ich mir mal etwas anschaue, dann meist auf flickr.com, da ich dort auch einige meiner Fotos hochlade. Bei der Gelegenheit schaue ich mir durchaus mal das eine oder andere Profil an.

Welches war die letzte Ausstellung, die du besucht hast?

David Lynch und Helmut Newton im Museum für Fotografie, Time Present im Palais Populaire, beides in Berlin.

Wo gab es deine Arbeiten schon zu sehen?

​Im August hatte ich die Gelegenheit im Rahmen des Hamburger Kultursommers meine erste richtige Fotoausstellung realisieren zu dürfen. Zu sehen waren meine Fotos gemeinsam mit Collagen einer lieben Freundin, der Hamburger Künstlerin Rita Kohel, in einer kleinen Galerie in Hamburg. Einige meiner Fotos waren auf den Monitoren der Berliner U-Bahn als Foto des Tages zu sehen. Und es gab vor sehr langer Zeit mal eine Auswahl an der Frankfurter Uni im Rahmen eines Fotowettbewerbs zu sehen. Vor ungefähr 20 Jahren habe ich mit befreundeten Djs zusammen ein paar Abende in einem kleinen Club in Offenbach organisiert, dabei habe ich Fotos per Diaprojektor an die Wände geworfen. Davon ab gibt es einige Arbeiten, die in Privatwohnungen hängen.

Hebst du alle Bilder noch im RAW Format auf, oder findest du das im Internetzeitalter unnötig?

​Bisher ja.

Kannst du dir vorstellen, dass deine Bilder in einer Galerie nicht mehr als Print, sondern nur noch auf Screens erscheinen?

Unbedingt, zumal gute, großformatige Prints ein ziemlicher Kostenfaktor sind. Wenn ich die Wahl habe, finde ich Prints aber nach wie vor besser. In unserer schnelllebigen Zeit finde ich es gut, wenn man mal auf etwas Statisches schauen kann, ohne Zeitdruck, ohne das Gefühl des Flüchtigen, Austauschbaren zu haben. Ein Bildschirm strahlt einen an, das hat auch immer etwas aggressives, finde ich. Ein Print bringt mehr Ruhe mit sich. Es ist wie mit allem, es hat Vor- und Nachteile.

Benutzt du noch analoge Kameras und wenn ja warum?

Ja, ich fotografiere immer noch analog, allerdings sehr selten. Ich finde es manchmal wichtig, mich den Einschränkungen eines analogen Films mit seinen 36 Aufnahmen hinzugeben, was dazu führt, dass ich mir in Ruhe überlege, ob ich ein Foto wirklich machen möchte. Bei der Digitalfotografie ist man sehr schnell dazu verleitet, diesen Prozess auf später zu verschieben. Durch den Start mit einer analogen Kamera habe ich mir zum Glück angewöhnt, das Foto so aufzunehmen, wie es am Ende aussehen soll. Wenn ich Fotos nachträglich bearbeite, dann nur minimal. Kleine Korrekturen im Bereich des Lichtwerts oder Kontrasts finde ich sehr hilfreich und effektiv.