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Seit wann fotografierst du?

Ich fing 2003 mit einer geliehen digitalen Kompaktkamera an. Ich wollte sie eigentlich dafür benutzen, um für einen kleinen Grafikauftrag Texturen zu erstellen und musste sie nach 2 Tagen wieder abgeben. Die Spontanität, das Dynamische und Kommunikative dieses Mediums haute mich damals wie heute von den Socken.

 

Hast du dein erstes Bild noch?

Natürlich habe ich Sie noch ;). Ich rannte in unserer damaligen WG in Münster herum und fotografiere einfach alles und jeden. Ich schaue sie mir manchmal immer noch an und sie geben mir ein gutes Gefühl. Ich war jung und es war mitten im Sommer. Das flache Sonnenlicht hatte alles in ein wunderschönes Licht gehüllt.

 

Was sind deine Lieblingsmotive, eher Menschen oder Architektur?

Die Stärke der Fotografie ist das Festhalten des Moments – das Einfrieren eines Ereignisses. Architektur oder statische Motive sind für mich nicht besonders reizvoll. Ein Haus steht lange auf seinem Fundament, jeder kann es in einer Art von endloser Zeitlupe betrachten. Ein dynamisches, gesellschaftliches oder zwischenmenschliches Ereignis ist für mich viel spannender und herausfordernder, denn es ist vergänglich. Dieses in wenigen Bildern aufzulösen und zu versuchen, eine Geschichte zu erzählen, das ist für mich persönlich der Reiz und die Stärke des Fotojournalismus oder der Dokumentarfotografie.

 

Lieber Schwarz/Weiß oder Farbe und warum?

Das kommt ganz drauf an. Manche Serien wandle ich von Farbe in schwarz weiß um. Sehr grafische Arbeiten mit ruhigen sich nicht überschneidenden Objekt sind durchaus geeignet für eine Umwandlung. Wenn diese Reduktion den Inhalt / die Aussage unterstützt, kann dies die Wirkung des Bilder erheblich steigern.

 

Was hältst von Instagram?

Ich hab mich mit Instagram noch nicht besonders auseinander gesetzt. Für einige Fotografengruppen kann es ein interessanter Weg sein, Kunden und Aufmerksamkeit zu generieren. Meine Clients sind hauptsächlich NGOs und Hilfsorganisationen. Um Aufmerksamkeit von Ihnen zu bekommen, ist Instagram, denke ich, nicht wesentlich effektiver als Facebook und Co. Und demnach kein attraktiver Weg für mich. Das kann sich natürlich in Zukunft alles sehr schnell ändern.

 

Was sind deine Vorbilder, sofern du welche hast?

Ich müsste so viele aufzählen. Privat wie beruflich. Im Grunde faszinieren mich Menschen, die konsequent und unermüdlich an einer Sache arbeiten und hierdurch in Ihrer Berufung erfolgreich sind. Es geht darum an eine Sache zu glauben und zu versuchen darin eine Art Perfektion zu erlangen. Dabei ist es egal, ob es handwerklich, sozial, sportlich oder fotografisch ist. Wenn jemand in einer Disziplin Meisterschaft erlangt, ist das für mich eine Art Kunst. Und es macht diesen Menschen für mich zu einem Vorbild. Wenn ich wirklich ein guten Fotograf oder Videograf für NGOs oder Hilfsorganisationen sein will, ist es wichtig auf vielen Ebenen gut und top fit zu sein. Man braucht also jede Menge gute Vorbilder – und das aus allen Bereichen.

 

Was ist dein Lieblingsblog oder Webseite zum Thema Fotografie?

Ich liebe es, die Gewinner der großen internationalen Wettbewerbe zu bestaunen. Hier einige bedeutende Awards:

The Prix de la Photographie Paris: P×3
POYI – Pictures of the Year International
sony world photography awards
World Press Photo
Visa pour l’image: Festival international du Photojournalisme
Siena International Photography Awards
International Photography Awards
ICRC Humanitarian Visa d’or award
Luis Valtuena Preis

Ebenfalls sehr lesenswerte Blogs und Webseiten sind:

foto8.com
iconicphotos.org
mediastorm.com
panos.co.uk/blog
nytimes.com/video/times-documentaries

 

Welches war die letzte Ausstellung, die du besucht hast?

Das war die 17. World Press Photo Award Exhibition in Berlin. Es gibt zwar noch viele andere gute Awards aber dort bekommt man eine sehr gute Auswahl präsentiert. Die Jury ist knallhart und extrem gut in Ihrer Selektion.

 

Wo gab es deine Arbeiten schon zu sehen?

Ich habe mich in der Vergangenheit nicht allzu sehr bemüht, auf Ausstellungen vertreten zu sein. Die meisten meiner Kunden sind Hilfsorganisationen und NGOs aus der ganzen Welt. Sie benutzen meine fotojournalistischen und dokumentarischen Arbeiten für Ihre Public Relation. Meisten sind meine Fotografien oder Videos auf Webseiten oder in Multimediaarbeiten im Internet veröffentlicht. Seit drei Jahren werde ich regelmäßig international mit meinen Bilderserien ausgezeichnet. Im Rahmen der Awards waren meine Bilder auf den Ausstellungen ebenfalls schon zu sehen.

 

Hebst du alle Bilder noch im RAW Format auf, oder findest du das im Internetzeitalter unnötig?

Selbstverständlich hebe ich die RAW Aufnahmen auf. Sie sind sozusagen das digitale äquivalent zum analogen Negativ und der Ausgangpunkt für jegliche Bildbearbeitung. Die RAW Aufnahmen verwende ich, um die maximale Qualität aus der Aufnahme herausholen zu können. Dabei geht es weniger um Auflösung, sondern um die Bittiefe, also die darstellbaren Farbabstufungen in verlaufen und Tiefen des Bildes. Gerade bei großen fotojournalistischen Wettbewerben werden die RAW Aufnahmen angefordert um Manipulationen am Bildinhalt nachweisen zu können. Wenn die Aufnahmen im Nachhinein mit Photoshop manipuliert worden sind kann dies anhand der RAW Files nachverfolgt werden. Dies führt dann zur Disqualifikation. Kein Fotograf sollte seine RAW Aufnahmen löschen und dieses Format immer einem verlustbehafteten Formaten wie z.B. dem JPG vorziehen.

 

Kannst du dir vorstellen, dass deine Bilder in einer Galerie nicht mehr als Print, sondern nur noch auf Screens erscheinen?

Klar, die unendlichen Möglichkeiten der digitalen Darstellungsform hat in der Zukunft bestimmt noch einiges mehr zu bieten. Ich bin gespannt!

 

Benutzt du noch analoge Kameras und wenn ja warum?

Ich bin stolzer Besitzer einer 35 Jahre alten Canon AE-1, welche schon meine Kinderfotos aufgenommen hat. Gerade im Urlaub benutze ich sie, um ganz entschleunigt nur wenige Bilder aufnehmen zu können. Durch die Limitierung der möglichen Bilder von maximal 36 pro Film entsteht vor der Aufnahme ein besonderer Moment der Aufmerksamkeit, die einen extrem großen Lerneffekt mit sich bringt. Gerade für Anfänger ist die analoge Fotografie als Werkzeug absolut unterschätzt. Wenn der Fotograf nur wenige Aufnahmen zur Verfügung hat und die Entwicklung noch zusätzlich Kosten verursacht, legt er automatisch viel mehr Aufmerksamkeit in die Zeit vor der Aufnahme und in das richtige Timing. So lernt der Anfänger erheblich mehr als mit einem digitalen Dauerfeuer.