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Seit wann fotografierst du?

Als Kind hatte ich eine Kodak Instamatic. Als Jugendlicher ging es dann ernsthaft los, erste Spiegelreflex, eigene Dunkelkammer, Fotobücher studieren.

 

Hast du dein erstes Bild noch?

Nein, ich habe irgendwann mal radikal ausgemistet und nahezu alle alten Bilder entsorgt. Das war ganz befreiend. Vor allen Dingen kann ich heute darüber fantasieren, wie großartig diese Bilder wohl waren. Dabei bin ich ziemlich sicher, dass ich die Bilder von damals heute grottig finden würde.

 

Was sind deine Lieblingsmotive, eher Menschen oder Architektur?

Als Straßenfotograf kombiniere oft beides. Ich bilde Menschen im urbanen Raum im Kontext Stadt ab. Portraits mache ich sehr gerne, da passiert in kurzer Zeit viel Beziehungsarbeit, eine Verbindung aufbauen, verstehen wie der Portraitierte tickt, Vertrauen aufbauen und nebenbei noch ein paar brauchbare Bilder produzieren. Events finde ich auch sehr spannend zu fotografieren, das Chaos zu ordnen und Stimmungen einzufangen.

 

Lieber schwarz/weiss oder Farbe und warum?

Ich mag tatsächlich beides. SW erlaubt Fokus auf Geometrie und Struktur, das Bild wird vereinfacht, Komposition ist unglaublich wichtig. Farbe macht komplexere Bilder möglich, weil man verschiedene Elemente durch Farbkontraste separieren kann. Farbe macht die emotionaleren Bilder, ganz besonders wenn man mit nahezu monochromen Farbflächen arbeitet. Passen die Farben allerdings nicht zusammen, kollabieren Farbbilder schnell.

 

Was hältst von Instagram?

Ich mag Instagram. Bin selbst spät zu Instagram gekommen, bekam viel Unterstützung und hatte so nach einem Jahr über 50k folllower. Bei Instagram geht es viel um Gemeinschaft und Kommunikation und weit weniger um „gute“ Fotografie. Erfolgreiche Bilder sind positiv, lebensbejahend und visuell glatt. Es gibt tolle Bilder, die sind einfach nicht Instagram tauglich. Instagrammer sind auf gute Art naiv, visuell neugierig und experimentierfreudig. Das finde ich unglaublich angenehm, es entspricht auch meiner eigenen Art zu fotografieren. Lange und langweilige Diskussionen über die Ausbildungsleistung von Objektive im 4 stelligen Bereich oder komplexe Nachbearbeitung gibt es bei Instagrammern nicht.

Kriegt das Bild viele likes und Kommentare, ist alles was zählt. Das ist eine sehr ehrliche Herangehensweise.

Was das Instagram Format angeht: Funktioniert ein Bild auf dem Smartphone Display, ist eine gute Frage. Kompositorische Mängel werden im kleinen Format überdeutlich.

 

Was sind deine Vorbilder, sofern du welche hast?

Ich habe keine Vorbilder im Sinne von wenn ich groß bin, will ich genau so fotografieren. Inspirationsquellen habe ich viele: Musik, Poesie, Malerei, jede Form von Fotografie, Kino, Fernsehserien, Werbung. Ich bin visuell unglaublich neugierig und suche immer nach Input. Ich bin oft in Museen und Galerien, letztlich geht es aber wirklich um alles, was ich sehe.

 

Was ist dein Lieblingsblog oder Webseite zum Thema Fotografie?

Ich mag petapixel.com, das gibt einen guten Überblick, ich schreibe auch gelegentlich selbst für petatpixel.com.

 

Welches war die letzte Ausstellung, die du besucht hast.

Letzte Woche war ich in Neukölln und habe „Disorder“ eine Gruppenausstellung von 15 jungen skandinavischen Fotografen gesehen.

 

Wo gab es deine Arbeiten schon zu sehen?

In Ausstellungen: In den letzten beiden Jahren waren meine Arbeiten in New York, Paris, Dublin, Bukarest und Berlin zu sehen.

 

Hebst du alle Bilder noch im RAW Format auf, oder findest du das im Internetzeitalter unnötig?

Wenn ich Bilder aufhebe, dann in Raw. Oft lösche ich aber Bilder einfach. Immer Raw, weil es alle Optionen offen lässt. Da ich viele Bilder als Drucke in limitierten Editionen an Sammler verkaufe, ist mir die technische Qualität schon wichtig, und da bin ich dann bei Raw.

 

Kannst du dir vorstellen, dass deine Bilder in einer Galerie nicht mehr als Print, sondern nur noch auf Screens erscheinen?

Das ist doch schon Realität. Ich werde dieses Jahr in London im Rahmen digital ausstellen.

 

Benutzt du noch analoge Kameras und wenn ja warum?

Nein, ich arbeite nur noch digital. Ich habe mit analogen Kameras fotografieren gelernt. Und ich vermisse sie nicht. Ich kann mit digital alles machen. Analog bietet mir keine zusätzlichen Möglichkeiten.